Michael Knaup ist seit 2015 im Vorstand der DEVK tätig und seit dem Jahr 2026 ihr Vorstandsvorsitzender. Als Vorstand kümmerte er sich unter anderem um Betriebsorganisation, IT und zentrale Services sowie das Projektportfolio.
Knaup absolvierte Mitte der 1990er Jahre seine Ausbildung zum Versicherungskaufmann bei der DEVK und studierte anschließend an der Fachhochschule Köln Wirtschaftswissenschaften. Bevor er zur DEVK zurückkehrte, war Knaup unter anderem als freier Journalist und für die Allianz in München und Dubai tätig.


Vor 140 Jahren als Selbsthilfeeinrichtung der Eisenbahner gegründet, versichert die DEVK heute rund 4,2 Millionen Kundinnen und Kunden in Deutschland. Insgesamt betreut der Gegenseitigkeitsversicherer rund 15,3 Millionen Versicherungsverträge in allen Sparten. Nach der Anzahl der Verträge ist die DEVK Deutschlands viertgrößter Hausrat-, fünftgrößter Pkw- und sechstgrößter Haftpflichtversicherer.

Vor 140 Jahren als Selbsthilfeeinrichtung der Eisenbahner gegründet, versichert die DEVK heute rund 4,2 Millionen Kundinnen und Kunden in Deutschland. Insgesamt betreut der Gegenseitigkeitsversicherer rund 15,3 Millionen Versicherungsverträge in allen Sparten. Nach der Anzahl der Verträge ist die DEVK Deutschlands viertgrößter Hausrat-, fünftgrößter Pkw- und sechstgrößter Haftpflichtversicherer.
In den letzten 25 Jahren hat die DEVK ihre Geschäftsprozesse grundlegend modernisiert und automatisiert. Bei der Digitalisierung spielen Cloud-Technologien eine bedeutende Rolle. Inflation und Klimarisiken stellen große Herausforderungen für die Versicherungsbranche dar. Um die Elementarschaden-Exposure besser zu verstehen, setzt die DEVK KI-Lösungen ein.
Das Thema Digitalisierung wird die Branche auch weiterhin prägen. Die DEVK setzt dabei auf direkten Kontakt zu ihren Versicherten und nutzt KI vorrangig zur Beschleunigung von Geschäftsprozessen. Technologische Schwerpunkte der DEVK sind die Automatisierung, KI-gestützte Services und die Cyber-Security.
Martin Seibold: Welche technologischen Entwicklungen waren für die DEVK in den vergangenen 25 Jahren am bedeutendsten? Welche Auswirkungen hatten diese auf das Geschäftsmodell und die Prozesse der DEVK?
Michael Knaup: Vor 25 Jahren haben wir nur papierbasiert gearbeitet. Heute sind unsere Abläufe weitestgehend papierlos, wir pflegen elektronische Schadenakten und Prozesse werden dunkel verarbeitet. In den vergangenen Jahren stand also die Automatisierung unserer Prozesse, die Einführung moderner IT-Systeme und die Migration von Anwendungen in die Cloud im Vordergrund. Auch die Online-Services für unsere Kundinnen und Kunden haben wir deutlich ausgebaut. All diese Schritte haben dazu beigetragen, dass wir die Anliegen unserer Kundinnen, Kunden und Mitglieder heute deutlich schneller und effizienter bearbeiten können als in der Vergangenheit.
Martin Seibold: Vor welchen geopolitischen, wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen steht die Welt aktuell? Welche dieser Herausforderungen sind aus Sicht der DEVK besonders relevant und wie begegnen Sie ihnen?
Michael Knaup: Wie leben in unsicheren Zeiten: sowohl politisch als auch wirtschaftlich. Umso wichtiger ist es, dass sich unsere Kundinnen, Kunden und Mitglieder auf uns verlassen können.
Die Auswirkungen von Kriegen, gewaltsamen Konflikten und internationalen Krisen betreffen uns auch als Versicherer. Wenn Rohstoffe knapp werden oder es zu Lieferengpässen kommt, steigen unsere Schadenaufwendungen. Durch die steigende Inflation müssen auch wir mehr Geld für Schadenregulierung ausgeben. Gleichzeitig wollen wir verhindern, dass die Beiträge immer weiter steigen, damit Versicherungsschutz bezahlbar bleibt.
Auch Klimarisiken sind eine große Herausforderung. Extremwetterereignisse kommen immer häufiger und heftiger vor. Hier ist vor allem unsere Elementarschadenversicherung gefragt. Dafür haben wir unseren Wohngebäudetarif neu überarbeitet. Bei der Einschätzung von Elementarrisiken nutzen wir nicht nur das klassische Zonierungssystem vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft, sondern zum Beispiel auch KI-Simulationen für Starkregenereignisse. So können wir Risiken noch besser bewerten und Prämien genauer berechnen.
Martin Seibold: Welche Trends und Veränderungen werden die Versicherungsbranche in den kommenden Jahrzehnten am stärksten prägen? Welche Konsequenzen erwarten Sie daraus für das zukünftige Geschäft der DEVK?
Michael Knaup: Die Versicherungsbranche wird sich durch Digitalisierung, künstliche Intelligenz und neue regulatorische Anforderungen stark verändern.
Doch Technologien werden von Menschen für Menschen gemacht und sollen uns in erster Linie unterstützen. Deshalb sollten wir sie dort einsetzen, wo sie für uns sinnvoll sind. Gleichzeitig bleibt der Eins-zu-eins-Kontakt unverzichtbar, denn das Vertrauen unserer Kundinnen, Kunden und Mitglieder ist für uns ein hohes Gut – besonders in kritischen Momenten wie einem Schadenfall. Ich habe lange im Telefonservice gearbeitet und weiß: Menschen möchten von Menschen betreut werden. Der direkte Kontakt zu unseren Mitgliedern zeichnet uns als Versicherer aus.
Daher nutzen wir KI im Unternehmen vorrangig, um Prozesse zu automatisieren und zu beschleunigen. Dafür haben wir einen KI-Assistenten als digitales Werkzeug eingeführt. Er beantwortet der Kundenanliegen schneller, präziser und trotzdem in der gewohnten Qualität. Dabei bleiben Datenschutz und regulatorische Vorgaben selbstverständlich jederzeit gewahrt.Martin Seibold: Sie waren langjähriger IT-Vorstand der DEVK. Wird Technologie künftig eine noch stärkere Rolle für die Unternehmensentwicklung spielen? Wo sehen Sie die strategischen Schwerpunkte?
Michael Knaup: Wir entwickeln unsere IT-Prozesse stetig weiter. Unsere strategischen Schwerpunkte sind Automatisierung, KI-gestützte Services und Cyber-Security. Damit wollen wir Prozesse beschleunigen, unseren Kundinnen, Kunden und Mitgliedern noch besseren Service bieten und gleichzeitig unsere digitale Resilienz stärken. Für die Zukunft der DEVK werden diese Entwicklungen entscheidend sein, um Versicherte weiterhin zu begeistern.
Martin Seibold: Um die digitale Transformation zu beschleunigen, haben sich in Deutschland mehrere Gegenseitigkeitsversicherer zusammengeschlossen. Ist Größe hier tatsächlich ein Vorteil? Unter welchen Bedingungen wäre ein Zusammenschluss auch für die DEVK eine Option?
Michael Knaup: Aktuell ist aus Sicht der DEVK ein Zusammenschluss kein Thema. Grundsätzlich wäre das nur denkbar, wenn sich dadurch ein klarer Mehrwert für unsere Mitglieder ergeben würde, also für die Beschäftigten der Verkehrsbranche. Die DEVK wurde vor 140 Jahren von Eisenbahnern für Eisenbahner gegründet. Bis heute sind wir als betriebliche Sozialeinrichtung der Deutschen Bahn anerkannt und kooperieren hier auch mit Partnern.