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Versicherer treiben Automatisierung im Underwriting voran

Juni 25, 2026

 

Die Versicherungsbranche tritt in eine entscheidende Phase der Digitalisierung des Underwritings ein, angetrieben von steigendem Wettbewerbsdruck, einer Abschwächung des Marktes und rasanten Fortschritten im Bereich der künstlichen Intelligenz. Laut neuen Untersuchungen von Sollers Consulting setzen mittlerweile vier von zehn Versicherern KI im Underwriting ein.

Die Automatisierung des Underwritings entwickelt sich rasch zu einer strategischen Priorität für Versicherer in allen wichtigen Märkten. Dieser Wandel markiert einen Wendepunkt für einen Bereich, der bei der Digitalisierung hinter Schadenmanagement und Vertrieb zurückgeblieben ist. Er verändert bereits die Mitarbeiterschaft. Der Anteil von IT-Positionen in der Versicherungsbranche, die Underwriting-Expertise erfordern, hat sich im Jahr 2025 verdoppelt und wächst schneller als jede andere Spezialisierung.

Eine Sollers-Umfrage in zehn Märkten identifiziert 126 aktive KI-Anwendungsfälle im Versicherungswesen, von denen 13 direkt dem Underwriting zuzurechnen sind. Diese Zahl ist im Vergleich zum Schadenbereich noch gering, doch die Entwicklung verläuft steil. Die deutlichsten Fortschritte zeigen sich bislang in der Firmenkundenversicherung. Hier setzen bereits 20% der Versicherer KI ein, um eingehende Anträge vorzusortieren und Daten aus unstrukturierten Dokumenten zu extrahieren.

„Das Underwriting war die letzte wichtige Funktion, die digitalisiert wurde, und das Tempo ändert sich nun rasant“, erläutert Jakub Śliwiński, Leiter des Underwriting bei Sollers. „Wir beobachten bereits, wie KI bei der Vorprüfung von Anträgen hilft und Underwriter dabei unterstützt, Angebote schneller und konsistenter in standardisierten Sparten zu erstellen. Die Ausweitung auf komplexere Risiken mit geringeren Volumina wird noch ein bis zwei Jahre dauern, wobei zunächst die datentechnischen Grundlagen geschaffen werden müssen.“

Globale Märkte treiben den Wandel hin zu Underwriting-Technologie voran

Der Einfluss von KI auf das Underwriting ist derzeit noch uneinheitlich. Er konzentriert sich vor allem auf die Erfassung eingehender Anträge und die Dokumentenverarbeitung. Bei Preisgestaltung und Risikoselektion ist er geringer ausgeprägt. Dieses Gleichgewicht dürfte sich verschieben, wenn Versicherer ihre Digitalisierungsinitiativen ausweiten und Underwriting-Workbenches einführen, die Preismodelle und Benutzeroberflächen enger miteinander verzahnen. Die Skalierung von KI über die Antragsaufnahme hinaus erfordert jedoch eine grundlegende Neugestaltung der IT- und Geschäftsarchitekturen sowie ein sorgfältiges Change-Management, da KI zunehmend in die tägliche Arbeit der Underwriter Einzug hält.

Ein sinnvoller kurzfristiger Fokus liegt auf Aggregations- und Portfolioanalysen. Einen nahezu in Echtzeit verfügbaren Überblick über Bestände mit zahlreichen individuellen Vertragsbedingungen zu haben, ist eine Herausforderung, die KI potenziell gut lösen kann, die für Aufsichtsbehörden zunehmend relevant ist und gleichzeitig Zeit für Underwriter freisetzt, ohne die eigentliche Risikoselektion zu verändern.

„Der Digitalisierungsgrad im Underwriting ist bei Versicherern in den deutschsprachigen Märkten noch vergleichsweise gering“, kommentiert Martin Seibold, Partner und Head of DACH bei Sollers. „Wir sehen aber, dass das Interesse am Einsatz innovativer Technologien zunimmt.“

Mit der beschleunigten Einführung von Underwriting-Technologie zeigen sich regionale Unterschiede:

  • Der Londoner Markt hat sich als globaler Vorreiter etabliert: Versicherer lösen sich von tabellenbasierten Prozessen und setzen auf flexible Pricing-Plattformen, die direkt in Underwriting-Systeme integriert sind.
  • In Australien hat eine Welle von Fusionen und Übernahmen die Modernisierung von Pricing und Underwriting auf die Agenda gesetzt, und mindestens ein großer Versicherer hat begonnen, sein gewerbliches Underwriting vollständig zu digitalisieren.
  • Nordamerikanische Versicherer übertragen den Einsatz von KI zunehmend von privaten Versicherungssparten auf komplexe gewerbliche Risiken.
  • Im breiteren britischen Privat- und Gewerbemarkt sowie in Frankreich und den nordischen Ländern liegt der Fokus auf Datenintegration und Interoperabilität – den Grundlagen, die Automatisierung überhaupt ermöglichen.
  • Versicherer in Mitteleuropa, insbesondere Polen, entwickeln sich am schnellsten vom Pilotstadium zur Produktionsreife, insbesondere bei OCR-gestützter Dokumentenverarbeitung und automatisierter Vorprüfung im Underwriting.

Weitere Details finden Sie im Artikel „Underwriting transformation: there is no silver bullet – only good decisions“ von Jakub Śliwiński:
https://sollers.com/en/insights/success-factors-in-digital-underwriting/